Alle Zimmer mit Meerblick

Nach über 80 Jahren erholen sich heute wirklich Urlauber im „Kdf-Seebad der 20.000“ bei Binz. So schließt sich in Prora in diesen Monaten ein geschichtliches Zeitfenster und das, was die „NS-Gesellschaft Kraft durch Freude“ (Kdf) bereits für das Jahr 1938 plante, ist heute Wirklichkeit geworden. Der letzte Block der Anlage ist mittlerweile an private Investoren verkauft und wird gerade umfangreich saniert, so dass die letzten Spuren der größten geschlossenen architektonischen Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit für immer verschwinden.

 

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An der Prorer Wiek, der schönsten Bucht der Insel Rügen, sollten sich ab 1938 die deutschen Arbeiter erholen – so zumindest der Plan der Kdf. Der „Koloss von Rügen“ war für ca. 20.000 Menschen konzipiert und zog sich 4,7 km am Strand entlang. Die acht Gästehäuser der Anlage wurde zwischen 1936 und 1939 gebaut und zu großen Teilen auch vollendet. Vieles was zusätzlich geplant war (Veranstaltungshallen, Verpflegungsbereiche, Restaurants, Cafes, Schwimmhallen etc.) ist durch den Kriegsbeginn nicht mehr gebaut wurden. Auch die Ausstattung der Zimmer ist nicht über die Rohbauphase hinaus erfolgt.

 

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Drei Blöcke wurden nach dem Krieg zerstört. Die verblieben fünf Blöcke wurden durch die Sowjetunion, die DDR und das vereinigte Deutschland militärisch genutzt. Nach Abzug der Bundeswehr standen die Gebäude überwiegend leer und verfielen. Seit 2004 wurden die Gästehäuser einzeln verkauft und langsam zu Hotel- und Ferienwohnungsanlagen umgestaltet. Die gesamte Anlage steht zwar unter Denkmalschutz, dieser wurde aber im Sinne der Investoren gelockert, um attraktive Ferienwohnungen und Hotelgebäude neu erschaffen zu können.

 

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Damit bleibt nur ein kleiner Teil der Anlage, in dem sich auch das „Dokumentationszentrum Prora“ befindet, so erhalten, dass der baugeschichtlich interessante Gebrauch der Architektur im Nationalsozialismus erkennbar wird. Prora ist das in Beton gegossene Bemühen des NS-Regimes, auch die Arbeiterklasse für die Kriegs-, Lebensraum- und Rassenpolitik zu gewinnen.

 

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