Fast jeder hat schon mal vom Spielzeugdorf im Erzgebirge gehört, von den Weihnachtspyramiden, den Nussknackern und den handgemachten Holzfiguren – ich kann jetzt sogar behaupten vor Ort gewesen zu sein!

Ohne weihnachtliche Stimmung und Kerzenschein hat der Ort lediglich den Charme eines riesigen Outdoor-Werksverkaufes. Ein Geschäft reiht sich an das andere und alle werben um die kaufkräftige Kundschaft mit jeglicher erdenklichen Art von Pyramide, Schwibbogen und Weihnachtsschmuck.

Weltberühmte Bergkirche

Trotz des ersten Eindruckes gibt es in Seiffen viel zu entdecken – zum Beispiel die Bergkirche – eine der berühmtesten Kirchen der Welt! Warum weltberühmt? Weil die fleißigen Spielzeugmacher, sie millionenfach nachgestaltet haben und die Seiffener Bergkirche heute auf allen Kontinenten Pyramiden und Schwibbögen schmückt.

Lampenkunst

Eine andere Besonderheit des Spielzeugdorfes sind die wunderschön gestalteten Laternen die das gesamte Dorf schmücken. Leider haben wir sie nur im Tageslicht bewundern können. Es ist aber leicht vorstellbar, wie diese einmaligen Lampen in den Weihnachtszeit echten Glanz in die dunkle Nacht bringen.

Spielzeug im Akkord

Das was heute jeder Tourist als Handwerkskunst bewundert, war früher harte Arbeit die im Dauerakkord erbracht wurde und deren Erlöse gerade so zum Überleben ausreichten und das nur dann, wenn die gesamte Familie – vor allem die Kinder – mit anpackten.

Im Freilichtmuseum und im Spielzeugmuseum lernt man fast alles über die Herstellung des Spielzeuges, den Wandel über die Jahrhunderte und warum heute die goldenen Zeiten lange vorbei sind und die gesamte Region unter Nachwuchsmangel, fehlenden Perspektiven und schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu leiden hat.

Reifendreher

Ganz anders als erwartet geht das Herstellen der berühmten Holzfiguren von statten. Die Figuren werden aus einem großen Stück Holz – das wie ein Autoreifen eingespannt wird – auf einer Drehbank hergestellt. Am Ende werden die einzelnen Rohformen aus dem Reifen herausgebrochen und einzeln per Hand zu Ende geschnitzt.

Wir hatten im Freilichtmuseum das Glück, einem Reifendreher bei seiner Arbeit über die Schultern schauen zu können.

Schauwerkstatt

Natürlich haben wir auch eine der vielen Schauwerkstätten besucht, in denen Mitten in Seiffen, vom Schwibbogen bis zum Nussknacker, alle Weihnachtsutensilien von Hand hergestellt werden. Diese werden dann Vorort, im Internet oder auf den Weihnachtsmärkten dieser Welt verkauft.

MDR-Berichte

Es gibt zwei sehenswerte Berichte des MDR-Fernsehen über die Spielzeugmacher von Seiffen und die gesamte Spielzeugherstellung im Erzgebirge im 20. Jahrhundert. Aktuell (März 2018) sind die jeweils 40 min. langen Berichte hier („Seiffen – Kleines Weihnachtsparadies im Erzgebirge“) und hier („VERO – Die legendären Spielzeugmacher aus Olbernhau“) zu finden.

Da das Angebot der Mediathek aber wechselt bzw. zeitlich begrenzt ist, ist nicht klar, wann die Berichte verschwinden. Also schnell ansehen!